Schlüssel

 

 

Degenhardt 1

 

Degenhardt 2

 

Muenze

 

Musik von Frauen - ein vergessenes Erbe

Auf den Spuren von Komponistinnen
und musikalischen Traditionen

Europa im 15. Jahrhundert:
Die Volksmusik dieser Zeit wird von Spielleuten, "fahrendem Volk", produziert, vorgetragen und weitergegeben. Unter den Spielleuten befinden sich Frauen und Männer gleichermaßen. Sie tauchen da auf, wo gefeiert wird: bei Kaiserkrönungen, auf Messen, Märkten und Versammlungen.

Im 16. Jahrhundert etablieren sich in zunehmendem Maß bestimmte Vorstellungen von "männlichen" und "weiblichen" Eigenschaften. Daraus resultierende Zuweisungen der gesellschaftlichen Aufgaben schränken für Frauen den Zugang zu Bildung, professioneller Arbeit und Erwerbstätigkeit immer mehr ein. Auf diesem Hintergrund haben es talentierte Musikerinnen weitaus schwerer als ihre männlichen Kollegen, eine ihren Fähigkeiten entsprechende Ausbildung zu erhalten, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, und zu Ruhm und Ehre zu gelangen.

17. Jahrhundert:
Im Bereich der Kirchenmusik hat sich seit Hildegard von Bingen einiges geändert. Papst Innozenz XI. spricht am 4. Mai 1686 die folgenden Worte:"Die Musik schadet in höchstem Maß der für das weibliche Geschlecht ziemlichen Bescheidenheit, weil sie dadurch von ihren eigentlichen Geschäften und Beschäftigungen abgelenkt werden". Welche Geschäfte er wohl damit meint ?
Jedenfalls kann Johann Mattheson, Musikkritiker und Komponist (1681-1764) das offenbar nicht unterschreiben und meint: "...daß wir die Gabe Gottes mit Füßen treten, wenn wir unter wichtigen heuchlerischen Vorwänden kein Frauenzimmer zur Kirchenmusik lassen..."

Während sich die Gelehrten weiterhin streiten, sind die fähigen Musikerinnen dieser Zeit damit beschäftigt, oben genannte ideologische und gesellschaftliche Hindernisse erfolgreich zu umschiffen, um zu den ihnen zustehenden Lorbeeren zu gelangen und der Nachwelt ihre Werke zu hinterlassen.
 

 "...Seit vier Jahren tritt dieses Wundergeschöpf hier auf. Sie singt die schwierigsten Stücke vom Blatt. Sie begleitet sich und andere... auf dem Cembalo, welches sie auf unnachahmliche Weise spielt. Sie komponiert Stücke und spielt sie in allen Tonarten, die man ihr vorschlägt...und dabei ist sie erst zehn Jahre alt." So berichtet die Pariser Monatszeitschrift Mercure Galant im Jahr 1677 über das "Jahrhundertwunder" Elisabeth Claude Jacquet.
Geboren im Jahr 1665 in Paris als Tochter des Cembalobauers Claude Jacquet und seiner Frau Anne de la Touche, die aus einer Musikerfamilie stammte, gehörte Elisabeth-Claude Jacquet zu einer Generation von hervorragenden französischen Komponisten und Musikern wie ... Francois Couperin und Marin Marais,.."Entgegen der Gepflogenheit nur den Söhnen ...eine profunde, auf den späteren Beruf ausgerichtete Ausbildung zu ermöglichen, entschlossen sich die Eltern Jacquet dazu, ...auch die Töchter Anne und Elisabeth zu Berufsmusikerinnen auszubilden." Bereits im Kindesalter erregte sie mit ihrem Spiel großes Aufsehen. Ihre große Begabung wurde auch am französischen Hof früh zur Kenntnis genommen. Ludwig XIV. war so begeistert von ihren musikalischen Fähigkeiten, daß er veranlaßte, sie einige Jahre lang von seiner Maitresse Madame de Montespan gemeinsam mit seinen eigenen Kindern erziehen zu lassen. Von dieser Zeit an begleitete der König ihr ganzes weiteres Schaffen mit wohlwollender Anerkennung, und sie widmete ihm zum Dank für ihre Förderung nahezu alle ihre Werke. 1684 heiratete Elisabeth Jacquet den Organisten Marin de la Guerre, der an verschiedenen Pariser Kirchen tätig war und zuletzt als Nachfolger seines Bruders das Organistenamt an der Sainte-Chapelle versah. Die la Guerres ließen sich in Paris nieder, wo Elisabeth eine rege Konzerttätigkeit entfaltete und sich der Komposition widmen konnte. 1694 wurde in der "Académie Royale de Musique" ihre Oper "Céphale et Procris" uraufgeführt - es war das erste Werk einer Frau, das dort zur Aufführung kam. Trotzdem schwingt zum ersten Mal in ihrer Widmung an den König eine leichte Resignation mit: "Wenn ich, durch das Unglück meines Schicksals, nicht mein Leben in seinem Dienst verbringen...schätze ich mich dennoch sehr glücklich, seit meiner Kindheit ein Talent gepflegt zu haben, mit dem ich zumindest einen Beitrag zu Seiner Unterhaltung ... leisten kann." Denn es war ihr im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen nicht möglich, ein Amt in der Hofkapelle innezuhaben, da Frauen der Zugang zu öffentlichen Ämtern verwehrt war. Die wenigen Frauen, die dennoch in der Hofkapelle mitwirkten, waren Sängerinnen und bekleideten kein Amt, sondern wurden  als "extraordinaires" oder "filles de la musique" bezeichnet und entlohnt. Am 27. Juni 1729 starb Elisabeth-Claude Jacquet de la Guerre wohlhabend und als Komponistin und Musikerin weit über die Grenzen von Paris bekannt. Im selben Jahr wurde eine Medaille zu ihren Ehren geprägt. Auf der Vorderseite ist Elisabeth Jacquet de la Guerre im Profil abgebildet; die Rückseite zeigt eine Frau beim Cembalospiel. Über dem Bild steht ein Text, der wohl als ihr Motto gelten kann: ..."Mit den großen Musikern habe ich um den Preis gerungen."

Maddalena Laura Lombardini Sirmen (1745-1818) wurde von Guiseppe Tartini auf der Violine unterrichtet; außerdem wurde sie auch auf dem Cembalo sowie in Komposition und Gesang ausgebildet. Schon mit 14 Jahren wurde ihr eine Lehrbefähigung ausgestellt. 1768 ging sie auf eine zweijährige, sehr erfolgreiche Konzertreise, auf der sie auch eigene Werke spielte. Später gastierte sie in Paris und London. Dort trat sie auch als sehr gefeierte Sängerin auf. Nach Aufenthalten in Italien lebte sie in Dresden, wo sie an der Hofoper sang. 1783 gastierte sie in St. Petersburg und ein Jahr später in Moskau. 1785 spielte sie in Paris zwei ihrer Violinkonzerte. Danach kehrte sie nach Venedig zurück, wo sie die letzten 30 Jahre ihres Lebens blieb. Ihre zahlreichen Instrumentalkompositionen waren damals in allen großen Verlagen erhältlich: Paris, London, Leipzig, Wien, Salzburg, Turin, St. Petersburg, Moskau, Amsterdam, Den Haag, Berlin, Brüssel sowie in Italien, Schweden und Finnland. Ihr Lehrer Tartini schreibt über sie: "I ... can well assure our Souvereign Mistress that, for practised violin playing which goes to the heart, this girl is at the present moment absolutely without an equal."
Claudia Hoffmann

Quellen:
The new grove, dictionary of music,
CD-Booklet Text (E. Jacquet de la Guerre, Sonates pour violon..) von Eva
Lichtenberger;
Eva Rieger, Frau, Musik und Männerherrschaft (Furore-Edition)
Danielle Roster, die großen Komponistinnen (insel);
Eva Weissweiler, Komponistinnen aus 500 Jahren (Fischer)


Folklore und Barock

Zwischen zwei Ebenen findet der Wechsel statt
Im Wechsel zeigen sich Wandel und Verbindung der Epochen
Im Wandel entsteht der Tanz zwischen den Ebenen

Music of the bards –
eine Kurz-Musikgeschichte

Im Mittelalter wirken sie auf den britischen Inseln an königlichen Höfen: dort spielen sie Harfe, singen, rezitieren, überliefern Sagen und Mythen und kommentieren aktuelle politische Ereignisse. Mit ihrer Kunst unterhalten sie die höfische Gesellschaft. In Klöstern arbeiten sie als HistorikerInnen. Laut Überlieferung aus dem 15. Jhdt. sind sie sehr gut ausgebildet: Sie müssen bis zu 7 Jahren studieren, bevor ihnen erlaubt wird, professionell zu arbeiten.
Themen ihrer Lieder und Gedichte sind breit gefächert: Lobeshymnen, Spiritualität, Liebe und humorvolle Unterhaltung. Darüber hinaus sagt man, sie hätten die Macht, durch Satire zu verletzten und zu töten.

Ihre Kunst wurzelt in keltischer Lebensweise. Über ganz Europa verbreitet leben im 7. Jhdt. vor unserer Zeit bis Anfang unserer Zeitrechnung voneinander unabhängig eigenständige Völkerstämme, die aber eine ähnliche Weltanschauung miteinander teilen: die der Verbundenheit mit Mutter Erde und allen Lebewesen. Die Verehrung weiblicher Gottheiten und der Natur als Mutter Erde erzählt von Überresten einer matriarchalen Weltsicht. BardInnen und DruidInnen sind zuständig für spirituelle und kulturelle Angelegenheiten. Keltisches Gedankengut wandert während römischer Eroberungen immer weiter nach Westen. Keltische Sitten bleiben in den Gebieten am besten erhalten, die die römischen Armeen nie betraten: Irland, Schottland, Wales, die Isle Of Man und Cornwall.
In nichtkeltischen Kulturen – in Zentralasien, in Irak, Türkei und Kurdistan ("the bards of the bible") – existieren Äquivalente: GeschichtenerzählerInnen, SängerInnen langer erzählender Gedichte, InstrumentalistInnen und KomponistInnen.

Auf den britischen Inseln wird mit der wachsenden Übernahme der Macht durch die englische Monarchie die "keltische" Kultur mehr und mehr verboten, eingeschränkt, überlagert und in den Untergrund gedrängt. Dies wird erreicht durch verschiedene Gesetze wie das von Elisabeth I. von England aus dem Jahre 1601, anhand dessen jeder Barde, Harfenspieler, Dichter oder Sänger geächtet, verfolgt und hingerichtet werden sollte. Elisabeth I. war ansonsten eine große Musikliebhaberin, die das musikalische Leben am Hof förderte, allerdings bevorzugte sie eher geistliche Musik: "... a modest distinct song, so used in all partes of the common prayers in the church... to the praise of almightie god...". Als sie im Sterben lag, rief sie ihre Musiker zu sich, sie sollten in einem Kreis um ihr Bett herum spielen: "... so that, she said, she might die as gaily as she had lived, and that the horrors of death might be lessened, she heard the music tranquilly until her last breath". Im Jahre 1603 haben die höfischen Musiker die Aufgabe, Schrecken des Todes zu erleichtern, die während keltischer Weltsicht völlig unbekannt waren.
 
Die Ausrottung traditioneller Bräuche in der Öffentlichkeit bewirkte, dass die ehemals höfische Musik nun im „Untergrund“ als Volksmusik weitergetragen wurde. BardInnen, HarfenspielerInnen, DichterInnen und SängerInnen ziehen mit ihren Spott- und Hohnliedern unter Lebensgefahr durch die Dörfer. Am englischen Hof etablieren sich in der Zwischenzeit „seriöse“ Komponisten. Sie verarbeiten auf ihre Weise die Musik, die „in der Luft liegt“.
Von gegenseitigem Einfluss erzählen u.a. ähnliche Bezeichnungen von Tanzsätzen: "Gigue", "Jig" ... Als eine Art Bindeglied könnte man die Sammlung von Tanzmelodien "the dancing master" von John Playford verstehen. Tanzmusik etabliert und adaptiert sich in Form der Suiten und auch in der Kirchenmusik.
Das bardische Instrument Dudelsack taucht in Frankreich wieder auf. Dort komponieren Hotteterre und andere für die Musette – den französischen Dudelsack.

Claudia Hoffmann

Quellen:
The new grove, dictionary of music
Vorwort von Patrick Steinbach in "Irische Folksongs für Gitarre und Gesang", Bund-Verlag
Tom Cowan, die Schamanen von Avalon, Ariston-Verlag

Fest der Brigit -
das heidnische Fest hinter dem christlichen

Sie stammt aus Irland und ist eine "dreifache Göttin": ihr zugeschriebene Namen sind: "Himmelskönigin, Himmelsgöttin, kriegerische Jungfrau, Symbol der Gerechtigkeit und Autorität; ihre Fähigkeiten: Heilkunst, Dichtkunst, Schmiedekunst. Ihr Kult - ihr heiliges Feuer - wurde in Kildaere von einer weiblichen Priesterschaft gehütet. Die katholische Kirche konnte den Kult der Brigit nicht auslöschen und so sprach sie sie notgedrungen heilig und erklärte sie zur Nonne, die ein Kloster in Kildaere gegründet hatte. Das Kloster war wegen seiner Heilungswunder und Fruchtbarkeitsmagie bekannt. Der Ort war der Sitz einer Aufeinanderfolge kraftvoller Äbtissinnen, die angeblich in einer mystischen Verbindung mit der Göttin bzw. der Heiligen standen, bis der Ort im Jahre 1132 durch einen Gewaltakt durch die Truppen des Dermot MacMurrough viel von seiner Kraft verlor. Während der Reformation wurde das Feuer durch Heinrich VIII ausgelöscht.
Irische Schriftsteller weigerten sich, ihre Göttin zur bloßen Heiligen zu reduzieren und setzten sie mit Maria gleich: Maria der Gälen, Mutter meines Herrschers... Nach gälischer Überlieferung ist Brigit die Ziehmutter Christi und Hebamme Marias.

Der 1. bzw. 2. Februar (je nach Tradition) ist der Göttin Brigit gewidmet. Es wird die Rückkehr der Göttin aus der Dunkelheit gefeiert, die den nahenden Frühling ankündigt. Es ist ein Fest der Reinigung, der Fruchtbarkeit und des wachsenden Lichts.
Von der christlichen Kirche zunächst umgewandelt in "Mariä Reinigung" - nach jüdischer und christlicher Vorstellung wurde eine Frau durch die Geburt ihres Kindes unrein und mußte 40 Tage danach gereinigt werden, vorher durfte sie keine Kirche betreten - wurde auf einem Konzil in Konstantinopel versucht, dieses Fest abzuschaffen (da doch die Jungfrau durch Christi Geburt nicht befleckt wurde und also auch keine Reinigung nötig hatte).

Einer der heidnischen Aspekte, der sich heutzutage noch in Nordamerika gehalten hat, ist das Wetterorakel für die neuanbrechende Jahreszeit: Ist an Lichtmess schönes Wetter, so kehrt der Winter noch einmal zurück, regnet es, dann ist der Winter endgültig vorbei. Es heißt auch, dass die Tiere aus ihrem Winterschlaf kommen und hilfreiche Vorhersagen über das Ende des Winters leisten. Daher wird dieser Tag auch als "Grounhog day" (Tag des Murmeltiers bezeichnet).

Quellen:
Caitlin Matthews, Sophia, Göttin der Weisheit und Internet


Keltischer Segensspruch:

Licht um dich herum
Segen sei mit dir,
der Segen des strahlenden Lichtes,
Licht um dich her
und innen
in deinem Herzen.
Sonnenschein leuchte dir
und erwärme dein Herz,
bis es zu glühen beginnt
wie ein großes Torffeuer,
und der Fremde tritt näher,
um sich daran zu wärmen.

Aus deinen Augen strahle
gesegnetes Licht
wie zwei weiße Kerzen
in den Fenstern deines Hauses.
die den Wanderer locken,
Schutz zu suchen dort drinnen,
vor der stürmischen Nacht.

Wen du auch triffst,
wenn du über die Straße gehst,
ein freundlicher Blick von Dir
möge ihn treffen.

 

Fiddler´s Tänze oder die Lerche am Morgen

Mehr Folklore als Barock aus Irland, Cornwall, Frankreich und Spanien

The Story:
Es waren einmal zwei Fiddler, die veranstalteten einen Wettbewerb, wer von ihnen die süsseste Musik spielen konnte. Sie trafen sich am frühen Morgen und spielten den ganzen Tag, Jig für Jig, reel für reel, tune für tune und eine Melodie war so gut wie die andere. Sie spielten weiter, den ganzen Tag und die ganze Nacht, bis der Morgen anbrach. Dann waren sie still, denn sie waren vollkommen erschöpft. Sie hatten alle Stücke gespielt, die sie kannten und sie konnten sich immer noch nicht entscheiden, wer von ihnen der bessere Spieler sei. Während sie still da saßen hörten sie die Lerche auf dem Feld, singend während sie höher und höher in den Himmel aufstieg. Und sie waren sich einig, dass nicht einer von ihnen sondern die Lerche am Morgen diejenige war, die die schönste Musik machen konnte.

Quelle:
Mel Bay´s Complete Irish Fiddle Player by Peter Cooper, Mel Bay Publications

Das Thema:
Mit Originalinstrumenten des Barock und traditionellen Volksinstrumenten spannt LA BEATA OLANDA den Bogen einer musikalischen Reise und überschreitet dabei Grenzen von Raum und Stil.
Verbindendes Element ist der Tanz:
Tanzmusik des Fiddler´s und des "Pipers" in Irland und Cornwall, La Folia, Passacaglia und Saltarella in Spanien.
Brandneu im Programm sind eigens importierte alte Volkstänze aus Cornwall.

LA BEATA OLANDA spürt alten Verbindungen nach und präsentiert eine spannende Gegenüberstellung ungebremster Tanzlust und Lebensfreude alter keltischer Musik und ihrer "barocken Schwester".

 

   

Um die Ursprünge von Musik und Tanz

ranken sich viele Geschichten. Die alten Griechen fassten Musik, Tanz und Dichtkunst unter dem Begriff "die Künste der Musen" zusammen.

Es besteht eine Wechselwirkung zwischen Musik und Tanz: sei es dass Tänzer oder Tänzerin selber Musik erzeugen durch Klatschen, Stampfen, Finger-schnippen, tragen von Glöckchen und Schellen und spielen von Tambourin, Trommel oder Kastagnetten. Darüber hinaus kann die Tanzmusik von nicht tanzenden weiteren Instrumentalisten unterstützt werden. Dieser "begleitende" Musiker/ die begleiten-de Musikerin wird möglicherweise diejenige, die den Tanz "dirigiert" oder anleitet oder in Interaktion tritt und abwechselnd begleitet und führt.

Tanzmusik als Gattung impliziert einen gleich bleiben-den starken Grundpuls und klare rhythmische Struktur.

Tanz und Tanzmusik spielten in der Antike sowohl in gesellschaftlichen Zusammenhängen als auch in religiösen Zeremonien eine wichtige Rolle.

Lebendige Musiktradition

Die traditionelle keltische Musik ist ursprünglich Tanz-musik. Seit vielen Jahrhunderten bis heute pflegen die keltischen Nationen - Irland, Schottland, Wales, Corn-wall, die Isle of man und die Bretagne - ihre lebendige Musiktradition in regelmäßigen "sessions", nächtlichen Tanzfesten ("Ceilidh"(irisch), "Troyl"(cornisch)) sowie den berühmten keltischen Festivals.

Der Reel - ein Tanz in schnellem, fließendem Alla Breve-Tempo ist vermutlich schottischen Ursprungs. Die frühsten Formen des Reel reichen bis ins Mittel-alter zurück, erkennbar an der Verwendung der alten sogenannten "Kirchentonarten". In Shettland existiert eine eigenständige Form des Reel, die große Ähnlich-keit mit skandinavischen Tänzen aufweist.

Die Polka - ein Paartanz im 2/4 Takt hat ihren Ursprung in Böhmen. Sie wurde um 1800 zunächst von Dorfmusikern gespielt. Im Verlauf des 19. Jahr-hunderts wurde sie enorm populär und reiste fast um die ganze Welt: Wien, St- Petersburg, Paris , London, USA und Kalkutta! Sie fand Eingang sowohl in die klassische Musik als auch in die keltische Folklore.

Im Unterschied zur barocken Tanzsuite werden in der Folklore Tänze derselben Gattung zu einem "set" aneinandergefügt: ein set besteht also aus mehreren - meist 3 - reels oder mehreren Jigs, die direkt ohne Pausen hintereinander gespielt werden. Die Wieder-holungen laden zu Verzierungen und Improvisation ein.

Auch im Barock wird die Tradition des Verzierens und Ausschmückens gepflegt.

Allerdings besteht eine Suite - eine Folge von Tanzsätzen - aus Tänzen unterschiedlicher Gattung: z.B. Allemande - Sarabande - Gigue etc., die mit kurzen Pausen zwischen den Sätzen gespielt werden.

Fließende Grenzen

In welchem Ausmaß die höfischen Tänze vom Folkloretanz beeinflusst sind, ist nicht bekannt. Fest steht, dass die Grenzen zwischen beiden fließend sind und Austausch in beiden Richtungen stattfindet. Darüberhinaus gibt es Impulse von weiter her wie z.B. die mexikanischen Wurzeln der Sarabande.

Die Skordatur - die Veränderung der Grundstimmung eines Instruments, eine Kompositionstechnik, die in österreichischer und italienischer Violin- sowie in der Lautenliteratur erscheint, ist ebenfalls in der Folklore-tradition belegt: schottische und norwegische ("Hardanger") Fiddler verändern die Stimmung der beiden tiefen Saiten und haben damit passende Bordune zur Verfügung, die dem des Dudelsack ähnlich ist.

Die tanzinspirierte barocke Musik verarbeitete Elemente der Folklore zu neuen und "exotischen" Ideen:

Einige der Tänze entstammen direkt der Folklore wie z. B. die Moresca, die Sarabande, die Chaconne. Es werden Tänze in Instrumentalsonaten einkomponiert, wie hier in der anonymen Violinsonate, die eine Chaconne enthält und in der Sonate von Tarquinio Merula, die einen wiederkehrenden Tanz im 3/2 Takt beeinhaltet.